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Episode #3614. Mai 2026

AIomatic wird Teil von KSB – Geschäftsmodell neu denken

47% Beteiligung: KSB und AIomatic zeigen, wie Mittelstand und Start-up gemeinsam gewinnen. Lena Weirauch über Geschäftsmodellinnovation, Verlustaversion und den ersten Schritt zur Veränderung.

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Gast

Lena Weirauch

Mitgründerin & Geschäftsführerin AIomatic

Key Insights

  1. 01

    KSB hat die richtige Frage gestellt: „Gibt es mein Geschäftsmodell in zehn Jahren noch?" – und viele Mittelständler tun das nicht. Chinesische Hersteller bedrohen das Kernproduktgeschäft, Service und Maschinengesundheit sind die Antwort.

  2. 02

    Vertrieb über strategische Partner schlägt eigenem Sales-Team: AIomatic erreicht über KSB sofort 60.000 Industriekunden – skalierbar, kapitaleffizient und mit der Glaubwürdigkeit eines 150 Jahre alten Marktführers.

  3. 03

    Problem first, Technologie second: AIomatic verkauft kein „KI für Maschinen", sondern „Möchtest du ungeplante Ausfälle verhindern?" – wenn man vom Problem kommt, kommt die KI von ganz alleine.

  4. 04

    Start-ups brauchen Kunden, Mittelstand braucht Speed und Innovation – ein Win-Win, der in Deutschland zu selten genutzt wird. Einstieg über Kundenbeziehung, dann kleine Beteiligung: kein Druck, kein Umarmen bis zum Ersticken.

Aus der Episode

Ein Pumpenhersteller, gegründet 1876, beteiligt sich mit 47% an einem fünf Jahre alten KI-Start-up. Das klingt nach einer Pressemitteilung, die niemand erwartet hat. Und ist genau deshalb eines der interessantesten Deals, die wir in letzter Zeit gesehen haben.

Lena Weirauch ist Mitgründerin von AIomatic, einem Hamburger Software-Unternehmen, das Maschinendaten analysiert und vorhersagt, wann Anlagen ausfallen werden. Bevor sie es tun. In dieser Folge ist sie zum zweiten Mal bei uns, und sie bringt eine ziemlich große Neuigkeit mit: AIomatic ist jetzt Teil von KSB.

Was steckt hinter dem Deal?

KSB ist kein kleines Unternehmen. 16.000 Mitarbeitende, börsennotiert, in über 100 Ländern aktiv. Und trotzdem hat KSB sich die Frage gestellt, die viele Mittelständler lieber vermeiden: Gibt es mein Geschäftsmodell in zehn Jahren noch? Wer nur Pumpen verkauft, kämpft irgendwann gegen Konkurrenz aus Fernost, die dieselben Pumpen günstiger anbietet. Wer hingegen Maschinengesundheit verkauft, Uptime garantiert statt Ersatzteile liefert, hat ein ganz anderes Gespräch mit seinen Kunden.

Für AIomatic sieht die Rechnung anders aus: Über KSB haben sie Zugang zu 60.000 Industriekunden. „Über Nacht zu potenziellen Kunden geworden", sagt Lena. Kein riesiges Sales-Team aufbauen, kein teures Funding dafür holen. Stattdessen einen Partner, der den Markt bereits kennt und dem Kunden signalisiert: Die gibt es in zwei Jahren noch.

Warum der deutsche Mittelstand trotzdem zögert

Der Deal zwischen AIomatic und KSB ist ein Ausnahmefall. Und Lena weiß das. In ihrer täglichen Arbeit sieht sie, wie schwer sich Unternehmen damit tun, überhaupt den ersten Schritt zu machen. Ihre Erklärung ist ehrlicher als die meisten: „Es geht uns noch zu gut." Krisen wurden in der Vergangenheit durch Durchhalten überlebt. Das hat funktioniert. Und jetzt, wo Durchhalten nicht mehr reicht, fühlt sich Veränderung trotzdem nach dem risikoärmeren Weg an.

Dazu kommt Verlustaversion, ein Konzept aus der Verhaltenspsychologie, das Lena direkt benennt. Lieber keine Entscheidung treffen als eine falsche. Das Problem: Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Nur eine, die sich gut anfühlt, während man den Anschluss verliert.

„Wir müssen unser Gehirn umprogrammieren, indem wir die Erfahrung machen, dass es sich lohnt. Beim zweiten Mal fällt es leichter, beim dritten Mal noch leichter."

Was du konkret mitnehmen kannst

Du musst nicht gleich ein Start-up akquirieren. Lenas Empfehlung ist simpler: Schreib deine Top-5-Probleme auf. Nicht die strategischen Großthemen, sondern die echten, operativen Schmerzen. Dann such für jedes Problem drei Start-ups, die genau das lösen. Schreib sie an. Start-ups warten darauf. Sie brauchen Kunden, du brauchst Innovation. Das ist kein komplizierter Deal, sondern ein naheliegender Tausch, den Deutschland aus irgendeinem Grund zu selten macht.

Und verlass deine Bubble. Geh auf andere Veranstaltungen, lies andere Quellen, sprich mit Leuten außerhalb deiner Branche. „Wenn du nichts veränderst, verändert sich nichts" klingt banal, ist aber der Punkt, an dem die meisten Transformationsprozesse scheitern.

Lenas letztes Wort: Einfach mal was anders machen. Nicht einfach machen, das ist zu vage. Sondern eine kleine Sache wirklich anders.

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