Digital Matters Executive Briefing #4 · 14 Minuten
Schreibt ihr mit KI nur mehr E‑Mails?
Mit KI lässt sich jeder bestehende Prozess nachbauen. Robert Yung und Michael vom Sondern zeigen, warum genau das die Falle ist, wer ins Portfolio-Gremium gehört und warum Veränderungsfähigkeit genauso entschieden werden muss wie Budget.
KI macht es leicht, bestehende Prozesse einfach nachzubauen oder einzelne Schritte zu beschleunigen. Michael Hammer nannte das schon 1990 „Kuhpfade asphaltieren“. Wirkung entsteht erst, wenn Unternehmen fragen, wie ein Prozess mit KI von Anfang bis Ende neu aussehen würde. Dafür braucht das Portfoliomanagement zwei Schritte: zuerst die inhaltliche Prüfung, ob die Lösung das richtige Problem adressiert, dann die Entscheidung über Wert, Budget und die Menschen, die für das Redesign aus dem Tagesgeschäft geholt werden müssen.
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Kuhpfade nicht asphaltieren
Ein Gespräch über schmale Verbesserungsideen, einen 19-stufigen Prozess, die Besetzung des Portfolio-Gremiums und die Frage, was ein KI-Programm wirklich verändert hat.
Kapitel
- 00:00Cold Open
- 00:20Intro: Executive Briefing #4
- 00:26„Unser Portfoliomanagement haben wir im Griff“ – aber nur KVP
- 01:45Richtige Lösung – oder das falsche Problem?
- 02:06Die KI-Falle: jeden Prozess einfach nachbauen
- 02:38Michael Hammer: Kuhpfade nicht asphaltieren, sondern einreißen
- 04:21Globale Prozessmanager? Warum Verbesserungsideen so schmal sind
- 05:26Praxisbeispiel: 19 Agenten für 19 Schritte – oder Redesign?
- 06:42Wer gehört ins Portfolio-Gremium?
- 07:52Die Fähigkeit der Organisation, neue Prozesse zu etablieren
- 09:14Ressourcen: Leute aus dem Tagesgeschäft holen ist auch eine Investition
- 10:35„Was bringt euer KI-Programm?“ – 90.000 Abfragen über Outlook
- 11:28Portfoliomanagement in zwei Schritten: der Produktmanager
- 12:28Fazit: Variante B zeigen lassen – oder nur mehr E-Mails mit KI?
Aus dem Briefing
Die KI-Falle: Prozesse einfach nachbauen
Mit den heutigen KI-Werkzeugen lässt sich jeder bestehende Prozess in kurzer Zeit nachbauen, ohne dass jemand fragt, ob er noch Sinn ergibt. Wer nur einzelne Schritte beschleunigt, asphaltiert die Kuhpfade: Der alte Prozess läuft schneller, wird aber nicht besser.
19 Schritte, 19 Agenten?
Verbesserungsideen aus dem Fachbereich sind zwangsläufig schmal, weil jeder nur seinen Ausschnitt des Prozesses sieht. Bei einem 19-stufigen Prozess stehen 19 Agenten, sechs Agenten oder ein Redesign zur Wahl. Die dritte Option liegt nur auf dem Tisch, wenn jemand sie dorthin legt.
Das Portfolio entscheidet auch über Leute
Wer einen Prozess redesignt, muss für eine Zeit 20 bis 30 Prozent aus dem Tagesgeschäft raus. Das ist eine Investition, die in keinem Business Case als Cash out of Pocket auftaucht, aber darüber entscheidet, ob der neue Prozess überhaupt entsteht.
Portfoliomanagement in zwei Schritten
Die Führungskräfte im Gremium sorgen dafür, dass Wert entsteht und Ressourcen bereitstehen. Für das Rauszoomen davor sind sie oft nicht die Richtigen. Deshalb kommt vor die Entscheidung eine inhaltliche Arbeit, die aus der schmalen Idee den größeren Prozess macht.
01Größer denken
Richtige Lösung oder falsches Problem?
Eine Rolle wie ein Produktmanager aus dem Fachbereich prüft, ob die Idee den Prozess nur beschleunigt oder ob er mit KI von Anfang bis Ende neu gedacht werden sollte. Sie braucht Business- und genug Technikverständnis, um zu übersetzen.
Beschleunigen oder neu denken
02Gremium entscheidet
Wert, Budget und Leute
Die Führungskräfte entscheiden über Wert, Strategiebeitrag, Budget und Ressourcen, auch darüber, wer für das Redesign Zeit aus dem Tagesgeschäft bekommt. Dafür brauchen sie vor allem Prozess- und Businessverständnis, kein tiefes Technikwissen.
Executive Self-Check
Verändert Ihr KI-Programm Prozesse?
Welche unserer KI-Vorhaben verändern einen Prozess, und welche beschleunigen nur einen bestehenden Schritt?
Gibt es bei uns eine Rolle, die eine Idee aus dem Fachbereich größer denkt, bevor sie ins Gremium geht?
Entscheidet unser Portfolio auch darüber, wer für ein Redesign Zeit aus dem Tagesgeschäft bekommt?
Nächster Schritt
Verändert Ihr KI-Programm Prozesse oder nur E-Mails?
Der AI Quick Check hilft, den wahrscheinlichsten Engpass Ihrer AI-Adoption einzuordnen.
6 Fragen · 3 Minuten · kein Login
Häufige Fragen
Was Leser noch wissen wollen
Warum reicht es nicht, bestehende Prozesse mit KI schneller zu machen?
Weil ein Prozess, der für eine Welt ohne KI entworfen wurde, mit KI nur schneller abläuft, aber nicht besser wird. Die Wirkung bleibt lokal. Größerer Wert entsteht erst, wenn der Prozess von Anfang bis Ende mit KI neu gedacht wird.
Was bedeutet „Kuhpfade nicht asphaltieren“?
Das Bild stammt von Michael Hammer, einem Begründer des Business Process Reengineering, aus seinem Artikel in der Harvard Business Review von 1990. Gemeint ist: Gewachsene Abläufe nicht einfach zu befestigen oder zu automatisieren, sondern zu fragen, wie man sie heute am Reißbrett entwerfen würde.
Wer sollte im KI-Portfolio-Gremium sitzen?
Führungskräfte mit starkem Prozess- und Businessverständnis, die über Wert, Budget und Ressourcen entscheiden. Tiefes Technikverständnis brauchen sie nicht. Das gehört in die inhaltliche Vorarbeit, etwa durch einen Produktmanager aus dem Fachbereich.
Woran erkennt man, dass ein KI-Programm nur E-Mails schneller macht?
An der Nutzung. In einer Organisation, die Michael vom Sondern begleitet, kamen in sechs Monaten 90.000 von 100.000 KI-Abfragen über Outlook. Das ist kein KI-Problem, sondern ein Prozess- und Fähigkeitsthema: Solange kein Prozess grundsätzlich neu gedacht wird, bleibt KI ein besserer Schreibassistent.
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