Gast
Jens Arne Lück
Experte für digitales Produktmanagement
Key Insights
Gib dem Team ein Problem, nicht eine Lösung – dann entstehen mehrere Lösungswege und du wählst den besten statt den erstbesten.
Hypothesen mit minimalem Aufwand testen spart mehr Entwicklungskosten als jede Optimierung hinterher – ein Papier-Prototyp reicht oft.
Umsatz ist der falsche KPI für Digitalprodukte im Frühstadium – messe Leading Indicators wie Aktivierungsrate, NPS oder Conversion.
Cross-funktionale Teams (Produkt, Tech, Design) parallel an Wert, Nutzbarkeit und Technik arbeiten zu lassen schlägt jede Wasserfall-Sequenz.
Aus der Episode
Es gibt Unternehmen, die bauen Features am Fließband. Ticket rein, Feature raus, nächstes Ticket. Produktivität ist hoch, Wert für den Kunden ist unklar. Das nennt man Feature Factory. Und sie ist teuer.
In dieser zweiten Folge mit Jens Arne Lück geht es darum, wie man aus der Feature Factory herauskommt. Konkret und ohne theoretischen Überbau.
Das Kernproblem: Niemand fragt, warum
Die klassische Herangehensweise: Das Business sagt der IT, was gebaut werden soll. Die IT plant, schätzt, sagt in zwei Jahren bin ich fertig. Die Features werden gebaut. Ob sie das richtige Problem lösen? Unbekannt.
Das Problem entsteht nicht durch böse Absichten. Es entsteht, weil Anforderungen und Lösungen zu früh zusammenkommen. Das Business denkt in Lösungen, die IT baut Lösungen, aber das dahinterliegende Problem wurde nie wirklich verstanden.
Problem statt Feature beschreiben
Jens macht einen konkreten Vorschlag: Gib dem Team das Problem, nicht die Lösung. Statt "baut Funktion X" lieber "unsere Kunden brechen den Bestellprozess an dieser Stelle ab, löst das."
Das Team findet dann mehrere Lösungswege, wählt den sinnvollsten aus und kann mit einem Wireframe oder einem Prototypen anfangen, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird. Das spart Wochen.
Hypothesen testen, nicht durchplanen
Jens lehnt Big Upfront Design ab: nicht erst alles durchdenken, dann eineinhalb Jahre bauen. Stattdessen: Hypothese aufstellen, mit minimalem Aufwand validieren. Reicht oft ein Interview, ein Blatt Papier, ein Wireframe.
Wenn die Hypothese falsch ist, haben wir eine Woche verschwendet, nicht ein Jahr.
Metriken neu denken
Hier liegt ein typisches Missverständnis im Management: "Was kostet das, was bringt das?" ist die richtige Frage. Aber in frühen Phasen ist Umsatz der falsche KPI.
Jens unterscheidet zwischen Leading und Lagging Indicators. Umsatz ist ein Lagging Indicator: Er zeigt, was bereits passiert ist. Kundenzufriedenheit, Conversion Rate, Abbruchquote, NPS sind Leading Indicators: Sie zeigen, was gerade passiert und was als nächstes passieren wird.
Wenn das Management anfängt, Leading Indicators zu verfolgen, verändert sich das ganze Gespräch über Digitalprojekte.
Was du konkret mitnehmen kannst
Schau dir dein nächstes Digitalprojekt an. Gibt es ein klar definiertes Kundenproblem dahinter, oder ist es eine Feature-Wunschliste?
Falls Letzteres: Nimm dir eine Stunde, sprich mit drei Kunden. Nicht um Bestätigung zu holen, sondern um zu verstehen, ob das Problem, das du zu lösen glaubst, das Problem ist, das sie wirklich haben.
Die teuerste Entwicklung ist die, die du am Ende wegwirfst.
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