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Episode #1518. Juni 2025

Prozessdigitalisierung richtig machen

Einen schlechten Prozess digitalisieren macht ihn nur teurer. Martin Orthen zeigt, wie end-to-end Denken, Change Management und das richtige Narrativ den Unterschied machen.

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Gast

Martin Orthen

Gründer 55 Birch Street, Prozessdigitalisierungs-Experte

Key Insights

  1. 01

    Nicht Tools kaufen, sondern Prozesse verstehen: Eine Prozesslandkarte zeigt, wo Digitalisierung wirklich Wert schafft – und wo nicht.

  2. 02

    Kernprozesse (Produktion, Service) verdienen Digitalisierungs-Investment; Supportprozesse (Finance, HR) sollte man standardisiert, nicht customized lösen.

  3. 03

    Widerstände bei Mitarbeitern sind nicht böse – sie sind verständlich. Reframing ("Du machst wertschöpfende Arbeit statt Routine") ist wirksamer als Überzeugungsreden.

  4. 04

    Prozessverantwortung muss end-to-end vergeben werden, nicht schrittweise je Abteilung – sonst entstehen wieder Silos und Toolinseln.

Aus der Episode

Dieser Satz klingt provokant, ist aber exakt das, was in vielen Digitalisierungsprojekten passiert. Unternehmen nehmen ihre bestehenden Abläufe, die über Jahre um Personen und Ausnahmen herum gewachsen sind, und überführen sie 1:1 ins Digitale. Dann fragen sie sich, warum es trotzdem nicht funktioniert.

Martin Orthen von 55 Birch Street hat eine klare Diagnose: Digitalisierung wird zu oft mit Prozessoptimierung verwechselt. Das ist sie nicht.

End-to-end denken, nicht abteilungsweise

Das typische Szenario: Sales optimiert seinen Teil des Prozesses und wählt Tool A. Marketing optimiert seinen Teil und wählt Tool B. Operations wählt Tool C. Am Ende hat das Unternehmen drei Tools, keine Integration und mehr Silos als vorher.

Echte Digitalisierung beginnt mit einer Prozesslandkarte: Welche Kernprozesse haben wir? Wo liegen Schnittstellen zwischen Abteilungen? Wer trägt Verantwortung für den gesamten Prozess, nicht nur für einen Schritt?

Kernprozesse vs. Supportprozesse

Martin unterscheidet klar: Kernprozesse schaffen Wettbewerbsvorteile, Supportprozesse nicht. Finanz- und HR-Prozesse sind notwendig, aber sie differenzieren dich nicht am Markt. Dein Service-Prozess, dein Produktionsprozess, dein Kundenerlebnis tun das.

Fehler: Unternehmen investieren in Finance-Digitalisierung, weil sie dort das klarste Anforderungsprofil haben. Und vernachlässigen den Kernprozess, der wirklich zählt.

Menschen sind kein Hindernis. Sie sind der Punkt.

Widerstand gegen Digitalisierung ist menschlich und verständlich. Jemand, der seit zehn Jahren eine bestimmte Aufgabe auf eine bestimmte Weise erledigt, muss sich plötzlich anders verhalten. Dieser Mensch ist kein Problem. Er braucht eine Erklärung und Zeit.

Martin empfiehlt, Widerstände nicht zu managen, sondern zu verstehen. Warum ist diese Person skeptisch? Was verliert sie? Was gewinnt sie? Diese Fragen entscheiden, ob ein Projekt wirklich umgesetzt wird oder nur formal eingeführt wird.

Was du konkret mitnehmen kannst

Nimm einen Kernprozess deines Unternehmens, einen, der wirklich für den Kunden relevant ist. Schreib ihn von Anfang bis Ende auf, über alle Abteilungen hinweg. Und frag dich: Gibt es einen Menschen, der Verantwortung für diesen gesamten Prozess hat?

Falls nicht: Das ist der Startpunkt. Nicht ein Tool, nicht eine Software. Ein Mensch mit Verantwortung für das Ganze.

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