Gast
Anna Güntner, Michael Schlüpmann
Eclarity (Anna Güntner), Industrie-Experte (Michael Schlüpmann)
Key Insights
Nur 12% des gelernten Inhalts aus traditionellen L&D-Formaten wird tatsächlich angewandt – adaptive KI-Dialoge erreichen 40–50%.
Wissensträger müssen explizit gefragt und wertgeschätzt werden – Menschen teilen gerne, wenn ihr Wissen ernst genommen wird.
KI für Scale, Mensch für Tiefe: Hybride Ansätze kombinieren automatisierte Grundlagen-Vermittlung mit menschlichem Coaching für Verständnislücken.
Time to Ramp sinkt von 3–6 Monaten auf 2–4 Wochen – das ist der wirtschaftliche Kern des Business Case für KI-gestütztes Onboarding.
Aus der Episode
Stell dir vor, dein bester Produktionsleiter geht in Rente. Er hat 30 Jahre Erfahrung, kennt jede Eigenheit jeder Maschine, weiß, wie man in Krisensituationen reagiert. Du hast drei Wochen Zeit, dieses Wissen zu übertragen. Was genau machst du?
In den meisten Unternehmen: nichts. Oder einen abschließenden Kaffee und "vielleicht rufst du noch mal kurz an, wenn du Fragen hast."
Anna Güntner von Eclarity und Michael Schlüpmann haben ein System entwickelt, das genau hier ansetzt.
Das Demographieproblem ist kein Zukunftsproblem
Bis 2030 verlassen rund 20 Prozent der aktuellen Arbeitskraft den deutschen Arbeitsmarkt in den Ruhestand. Diese Generation bringt implizites Wissen mit, das in keiner Dokumentation steht. Gleichzeitig sinkt die Halbwertszeit von Fähigkeiten: Im Tech-Bereich sind Skills nach zwei bis drei Jahren überholt, in anderen Bereichen nach fünf Jahren.
Das ergibt eine Schere: Wissen geht raus, neues Wissen muss schneller rein, und die traditionellen Lernformate schaffen das nicht. Nur 12 Prozent des gelernten Inhalts aus klassischen L&D-Formaten wird tatsächlich angewandt.
Adaptive Lerndialoge statt E-Learning-Module
Das Konzept von Eclarity ist kein Video-Kurs und kein PowerPoint-Seminar. Es ist ein KI-geführtes Gespräch: Ein Wissensträger wird interviewt, das Gespräch wird strukturiert, und daraus entstehen personalisierte, adaptive Lerndialoge.
Der Lernende spricht dann mit einem System wie mit einem erfahrenen Kollegen, das seinen Lernstand erkennt und sich anpasst. Wo jemand hängt, greift ein menschlicher Coach ein.
Wertschätzung ist die Voraussetzung
Anna und Michael machen einen wichtigen Punkt: Das größte Hindernis ist nicht die Technologie, sondern die Haltung. Wissensträger teilen gerne, wenn sie sich wertgeschätzt fühlen. Wenn niemand fragt, teilen sie nicht.
Der ROI ist konkret: Klassische Einarbeitung dauert drei bis sechs Monate. Mit adaptiven Lerndialogen verkürzt sich das auf zwei bis vier Wochen.
Was du konkret mitnehmen kannst
Frag dich: Wer in deinem Unternehmen hat kritisches Wissen, das nirgendwo dokumentiert ist? Und wer davon geht in den nächsten zwei bis drei Jahren?
Das ist deine Prioritätenliste für Wissensmanagement. Du brauchst kein ausgefeiltes System, um anzufangen. Du brauchst eine Person, zwei Stunden und die Bereitschaft zuzuhören.
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