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Episode #2619. November 2025

Organisationen der Zukunft – Lernende Systeme

Bis 2030 werden 39% der Fähigkeiten obsolet. Jan Köster zeigt, warum das kein HR-Thema ist – und wie lernende Organisationen den Dreiklang aus Arbeitsmitteln, Ort und Arbeitsweise meistern.

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Gast

Jan Köster

VP Transformation bei Gruner + Jahr

Key Insights

  1. 01

    Arbeitsmittel, Arbeitsort und Arbeitsweise müssen zusammen verändert werden – wer nur eine Dimension anpasst, schafft neue Probleme statt Lösungen.

  2. 02

    Lernende Teams brauchen drei Muskeln: Gemeinschaft (Vertrauen), Orientierung (Transparenz) und Autonomie (Verantwortungsdelegation) – fehlt eine, bricht das System.

  3. 03

    Transformation ist keine HR-Initiative, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit: Ein Team, das seinen Output verdoppelt, zieht alle anderen mit.

  4. 04

    Culture by Design statt Zufall: Unternehmenskultur entsteht immer – die Frage ist nur, ob bewusst oder unkontrolliert.

Aus der Episode

Wenn ein Produktionsleiter erfährt, dass 39 Prozent seiner Maschinen in fünf Jahren wertlos sind, gibt es sofort eine Taskforce, ein Budget, einen Plan. Wenn ein Personaler erfährt, dass 39 Prozent der Fähigkeiten seiner Mitarbeitenden bis 2030 obsolet oder radikal verändert sein werden: Stille.

Jan Köster hat diese Beobachtung in seine Arbeit als VP Transformation bei Gruner + Jahr eingebaut und daraus ein Modell für lernende Organisationen entwickelt.

Drei Dimensionen, die zusammengehören

Jan beschreibt einen Dreiklang, der in fast jeder Transformation vergessen wird: Arbeitsmittel, Arbeitsort und Arbeitsweise.

In der Corona-Zeit haben Unternehmen den Arbeitsort verändert (Homeoffice), ohne die Arbeitsmittel und Arbeitsweisen anzupassen. Das Ergebnis: Hybrid-Meetings, bei denen die Hälfte nichts hört und die andere Hälfte sich nicht gesehen fühlt. Ein klassischer Dreiklang-Fehler.

Die Erdnuss-Geschichte

Jan erzählt von einem Senior Developer in einer Retrospektive. Alle anderen im Team forderten mehr Gehalt, mehr Budget, neue Ausstattung. Dieser eine Entwickler bat um zwei Tüten Erdnüsse im Obstkorb.

Warum? Weil er gelernt hatte, Verantwortung zu übernehmen. "Wenn mir etwas nicht passt, warte ich nicht, bis die Geschäftsführung fragt. Ich habe ein System, in dem ich es ansprechen kann."

Das ist das Ziel lernender Organisationen: Menschen, die nicht warten, sondern gestalten.

Drei Muskeln für lernende Teams

Jan beschreibt drei Dimensionen, die lernende Teams entwickeln müssen: Gemeinschaft (Vertrauen, psychologische Sicherheit), Orientierung (weiß jeder, wofür er arbeitet?) und Autonomie (kann jeder Entscheidungen treffen?).

Wenn eine Dimension fehlt, entsteht ein Ungleichgewicht. Nur Gemeinschaft ohne Orientierung führt zu treibenden Teams. Nur Orientierung ohne Autonomie führt zu blindem Gehorsam. Nur Autonomie ohne Gemeinschaft führt zu Silos.

Was du konkret mitnehmen kannst

Check deinen eigenen Dreiklang: Stimmen Arbeitsmittel, Arbeitsort und Arbeitsweise überein? Gibt es Meetings, die mit der Hälfte per Video stattfinden, obwohl die technische Ausstattung das nicht wirklich unterstützt?

Dann frag: Haben meine Mitarbeitenden einen Kanal, in dem sie sagen können, was nicht stimmt? Und wird darauf reagiert?

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