Gast
Karin Kiesl
Innovationsberaterin und Expertin für Innovationssysteme
Key Insights
Eine Innovation ist eine neue Idee, die ein altes Problem löst und ein Preisschild trägt – alles andere ist inkrementelle Variation.
Bestehende KPIs töten disruptive Ideen: Neue Maschinen gegen abgeschriebene gerechnet verlieren immer – neue Bewertungsmetriken müssen gemeinsam mit Stakeholdern definiert werden.
Narrative als Gleitmittel: Ideen brauchen eine Zukunftsgeschichte, auf die andere Lust haben – und sie muss auf die Entscheidungskultur des Zuhörers zugeschnitten sein.
Das Risiko von Nichtstun und Nicht-Innovieren ist größer als das Risiko zu versuchen – Kurzzeitoptimierung ist Langzeiterosion.
Aus der Episode
Stell dir vor: Ein Forscher-Team entwickelt einen Wirkstoff, der Tattoo-Farben dauerhafter macht. Die Idee hat echtes Marktpotenzial. Aber sie passt zu keiner bestehenden Produktkategorie im Konzern. Also landet sie in einem Meeting, wird mit den falschen KPIs bewertet, verliert gegen eine Investition in eine bestehende Maschine und verschwindet.
Karin Kiesl ist Innovationsstrategin und hat dieses Muster so oft gesehen, dass sie ein System entwickelt hat, um es zu durchbrechen.
Warum gute Ideen stecken bleiben
Karin benennt das Kernproblem klar: Disruptive Innovationen müssen durch Strukturen, die für das alte Geschäft optimiert sind. Die KPIs messen Gewinnmaximierung und Kosteneffizienz des Bestehenden. Neue Ideen haben keine historischen Vergleichsprojekte. Investitionsberechnungen schlagen sie systematisch nieder.
Das ist kein Versagen von Individuen. Es ist strukturelles Versagen.
Story als Gleitmittel
Karin empfiehlt, Ideen nicht als Business Case zu präsentieren, sondern als Geschichte: eine Zukunftsversion, auf die andere Lust haben. Der Unterschied klingt klein, ist es aber nicht. Ein Business Case fragt: Ist das profitabel? Eine Geschichte fragt: Will ich in einer Welt leben, in der das existiert?
Und: Verschiedene Stakeholder wollen verschiedene Geschichten hören. Manche wollen Fakten, manche wollen Emotionen. Beides hat seinen Platz, aber man muss wissen, für wen man welche Geschichte erzählt.
Neue Metriken für neue Ideen
Karin schlägt vor, für disruptive Innovationen gemeinsam mit Stakeholdern neue Zielgrößen zu definieren: Mehrwert für das Unternehmen (neue Märkte? neue Zielgruppen?), Mehrwert für den Konsumenten (messbar durch Marktforschung) und Machbarkeit (haben wir die Voraussetzungen?).
Diese Metriken ersetzen nicht den Business Case. Aber sie schaffen Transparenz über Annahmen, statt so zu tun, als wären Fünf-Jahres-Prognosen für neue Ideen verlässlich.
Was du konkret mitnehmen kannst
Fang diese Woche mit einer Frage in deiner Organisation an: Was erzählen wir uns hier, das uns blockiert? Welche Sätze hörst du regelmäßig, die neue Ideen schon beim ersten Aufkommen ersticken?
Diese Störnarrative sind der erste Ort, den du verändern musst, bevor du ein Innovationsprogramm auflegst.
Nächster Schritt
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